Tim Fritjof Huttel

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Tim Fritjof Huttel

Wissenschaftlicher Mitarbeiter/Kollegiat
DFG-Graduiertenkolleg „Deutungsmacht"
Universität Rostock
Universitätsplatz 5
D-18055 Rostock

Tel.: +49 381 49 88 469
E-Mail: tim.huttel@uni-rostock.de

»Personale Deutungsmacht. Verantwortung, Charakter, Geltung« (AT)

English abstract below

Jede praktische Deliberation basiert auf Deutungen, mit denen Personen das praktisch Relevante an Situationen, Charakteren, Handlungen sowie deren Chancen und Konsequenzen einzufangen suchen, um sich oder andere von bestimmten Handlungsweisen zu überzeugen. Dabei kommen nicht nur Argumente, sondern auch Erzählungen und rhetorische Mittel wie etwa der Charakter der Redner selbst zur Geltung.

Dieses Phänomen, das die Rhetorik seit der Antike betont, auch in der politischen Ethik theoretisch zu fassen, wird wichtiger, je diverser, wandelbarer und strittiger die Deutungen sind, die für die Bewertung politischer Entscheidungen herangezogen werden. Denn Personen mit Deutungsmacht können polarisieren oder auch vereinen, sie können Gemeinschaften zu neuen Selbstverständnissen führen oder in den Abgrund reißen. Traditionell pocht die Philosophie jedoch in ihren Konzeptionen rationaler Deliberation auf überpersonale Geltungskriterien, wodurch personale Deutungsmacht theoretisch marginalisiert wird, was sich auch und gerade dann als Problem entpuppt, wenn zu ihrer Entfaltung die Ansprüche der Vernunft überhaupt in Frage gestellt werden.

Daher untersuche ich, inwiefern sich aus den Werken Friedrich Nietzsches, Max Webers und Bernard Williams‘ eine ethiktheoretisch fruchtbare Konzeption personaler Deutungsmacht gewinnen lässt. Alle drei Autoren gehen von einer Pluralität der ethischen Vokabulare aus und vertreten eine breitere Vorstellung rationaler Deliberation, in die auch ihre charakterologischen Überlegungen einfließen: Nicht nur der Rede, sondern auch dem Redner räumen sie prinzipiell einen Geltungsanspruch ein. Allerdings geben ihre Überlegungen zur Verantwortung auch Orientierungspunkte in der Frage her, was für Personen abseits von rationalistischen Normen und partikularen Wertehierarchien solche Geltung zuzusprechen ist.

"Rhetorical Power. Responsibility, Charakter, Validity" (Working title)

The aim of my PhD project is to elaborate and defend a realist account of deliberation and highlight some of its consequences for political ethics. The most important arguments are developed from the works of Aristotle, Nietzsche, Max Weber, and Bernard Williams.

As deliberation is the process through which we find out what we should do, it is often believed that deliberating must imply meeting high standards of rationality. Especially Kantian liberal theories link the validity or legitimacy of practical decisions to ideal standards of mutual justification and thereby devaluate rhetorical action. As I argue, real political deliberations do not heavily rely on rhetoric simply as a matter of political necessity, since political support in the real world must be acquired under pluralist, non-ideal and politically disputed conditions. Once the moralist assumptions that ground the ideals of justifications are questioned, rhetoric seems much more fitting for answering ethical questions in general.

Forschungsinteressen

Forschungsinteressen

  • Ethische Freiheit, freie Rede und personale Deutungsmacht
  • Beratung als Schnittstelle von Ethik und Rhetorik
  • Wertpluralismus
  • Moralkritik, moralischer Relativismus, Skeptizismus, Nihilismus
  • Anthropologie und Ethik in der Rhetoriktheorie
  • Deliberative und agonale Demokratietheorie
  • Politische Repräsentationstheorie
  • Politische Theologie

 

Bisheriger Werdegang

Bisheriger Werdegang

Seit April 2020 Wissenschaftlicher Mitarbeiter/ Kollegiat am DFG-Graduiertenkolleg 'Deutungsmacht', Universität Rostock

2016 bis 2017 Chaos and Formalities Officer beim Zentrum für Politische Schönheit, Berlin

2013 bis 2019 Politische Theorie - Masterstudium/ Goethe-Universität Frankfurt, TU Darmstadt, University of Toronto

  • Masterarbeit: Rhetorik und die politische Geltung der Person

2013 bis 2018 Religionsphilosophie - Masterstudium/ Goethe-Universität Frankfurt

  • Masterarbeit: Eschatologisierende Hegel-Lektüren. Von Dilthey bis Löwith

2010 bis 2013 Politikwissenschaft - Bachelorstudium/ Universität Leipzig, Universitat Autònoma de Barcelona

  • Bachelorarbeit: Ein Präsident im Pyjama und Gorillas in Zivil. Der Putsch in Honduras 2009 in spieltheoretischer Betrachtung

2009 bis 2013 Soziologie - Bachelorstudium/ Universität Leipzig, Universitat Autònoma de Barcelona

  • Bachelorarbeit: Fremdenfeindlichkeit und Schicht. Ein Theorienvergleich
Publikationen, Vorträge und Lehrveranstaltungen

Publikationen, Vorträge und Lehrveranstaltungen

Handbuchbeiträge

- "Schleier des Nichtwissens". In Rawls-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung, herausgegeben von Johannes Frühbauer, Michael Reder, Michael Roseneck, Thomas M. Schmidt. Stuttgart: Metzler, 2022 (im Erscheinen).

- "Institution". In Rawls-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung, herausgegeben von Johannes Frühbauer, Michael Reder, Michael Roseneck, Thomas M. Schmidt. Stuttgart: Metzler, 2022 (im Erscheinen).

- "Collected Papers". In Rawls-Handbuch. Leben - Werk - Wirkung, herausgegeben von Johannes Frühbauer, Michael Reder, Michael Roseneck, Thomas M. Schmidt. Stuttgart: Metzler, 2022 (im Erscheinen).

Rezensionen

- "Philosophie der Personalität in drei Syntheseversuchen.", Allgemeine Zeitschrift für Philosophie, 2022 (Im Erscheinen) - Rezension zu: Moritz von Kalckreuth, 2021, Philosophie der Personalität: Syntheseversuche zwischen Aktvollzug, Leiblichkeit und objektivem Geist. Meiner.

Vorträge

- "Humorlessness. Moralism as a Challenge to Liberal Public Culture". Humour Workshop: Changing landscapes: From humour and/in politics to humour as politics. Otto von Guericke Universität Magdeburg, 2022

- "Ethos: Die Tugend im Erscheinen der Person". Tagung: Personen und Subjekte des Politischen. RWTH Aachen, 2022.

- "Creating internal reasons: Bernard Williams’ participatory notion of ethics". Workshop: Concrete inter-subjectivity: Ontological, ethical, political and linguistic inquiries regarding interaction. Universität Lissabon, 2021.

- "Zur Bestimmung der Rhetorik bei Arendt und Blumenberg". 13. Kolloquium junge Religionsphilosophie: "Entlastung vom Absoluten. Hans Blumenberg und die Folgen". Katholische Akademie in Berlin, 2020.

Tagungen

"Umkämpftes Gemeinwohl. Deutungen im Streit um das gemeinsame Wohl." Tagung des Graduiertenkollegs 'Deutungsmacht', Universität Rostock, 4.10.-6.10.2022 (Initiiert und geplant zusammen mit M. Kumlehn, H. Hastedt, J. Dosch, J. Bollongino, Chr. Höhn, A. Maaser und N. Walter)

Lehrveranstaltungen

- "Politische Philosophie des Republikanismus", Universität Rostock, WiSe 2022/23

- "Menschenrechte im Gesundheitswesen", Alice Salomon Hochschule Berlin, SoSe 2022

- "Demokratie und Religion", Universität Rostock, SoSe 2022

- "Menschenrechte im Gesundheitswesen", Alice Salomon Hochschule Berlin, WiSe 2021/22