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Jeder hätte sie gern, viele kämpfen darum, manche haben sie, aber bisher ist weitgehend ungeklärt, was das ist: Deutungsmacht. Dieses operativ gängige Konzept soll begrifflich und methodisch ausgearbeitet und in Fallstudien material bearbeitet werden.
Wie entsteht, ‚funktioniert‘ und vergeht Deutungsmacht, exemplarisch im Kontext von Religion und belief systems? Anhand signifikanter Deutungsmachtkonstellationen und -konflikte soll Deutungsmacht in Genese und Geltung sowie in Geschichte und Gegenwart untersucht werden, um zu klären: Was für eine Form oder Dimension von Macht ist Deutungsmacht? Was für Macht haben oder entwickeln Deutungen (von Religionen bzw. ihren Vertretern, Institutionen, Amtsinhabern oder ‚Charismatikern‘, Diskursen oder Dispositiven etc.)? Wann und warum werden sie anerkannt oder nicht mehr?
Deutungsmacht ist im Normalfall bereits anerkannt und gilt fraglos, indem ihr gefolgt wird (z.B. Jesus, Schrift, Grundrechte). Wie sie entstand und warum ihr gefolgt wird, bleibt entweder unthematisch (latent) oder wird u.a. in Narrationen wie Mythen oder biblischen Texten explizit. Um das zu verstehen, ist der liminale Ausnahmefall der Genese einer Deutungsmacht(-ordnung) retrospektiv zu untersuchen. Der Normalfall wird in beschleunigten und pluralisierten Gesellschaften problematisch (Krise der Kirchen, des Schriftprinzips, der Sittlichkeit etc.). Der Konfliktfall wird manifest in Deutungsmachtkonflikten (wie Regel- oder Ordnungskonflikten): Der Anspruch einer Deutung auf Anerkennung und Geltung wird explizit und begründungsbedürftig im Streit verschiedener Deutungen um Macht. In den exemplarischen Projekten sollen daher Interferenzen von Semantik (der Deutungen) und Struktur analysiert werden (Ordnungen, Dispositive). Die gesellschaftliche Relevanz des Projektes besteht in der Differenzierung des Verstehens kultureller Deutungsmachtkonflikte, das der Verständigung und Bearbeitung derselben förderlich werden kann. Diese hermeneutische Kompetenz muss auch kritisch sein, um die Grenzen von Deutungsmacht/-ansprüchen (wie auch des Konzepts Deutungsmacht) bestimmen zu können.