Katharina Alexi

Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Kollegiatin
DFG-Graduiertenkolleg „Deutungsmacht"
Universität Rostock
Universitätsplatz 5
D-18055 Rostock
Tel. +49 (0)381-498-8464
E-Mail. katharina.alexi@uni-rostock.de

 

Groupies? (Selbst-)Deutungen von Frauen und Mädchen in der Rockmusik seit den 1960er-Jahren

Die Dissertation untersucht das Aufkommen des geschlechtsspezifischen Begriffs Groupie in den 1960er-Jahren, seine diskursive Verfasstheit und Effekte für (vor allem) Frauen und Mädchen seitdem. Eine zentrale Frage lautet: Wie, durch wen oder wodurch stellt sich die Wirkmacht des Begriffes her? Eine zweite Überlegung fokussiert, inwiefern weibliche soziokulturelle Identität durch Begriffe wie Groupie untergraben wird oder sich andererseits aus diesem speist. 

Der erste Teil der Arbeit diskutiert den Begriff als pejorativ geprägten Terminus und behandelt den Male Gaze, aber auch die "kultivierte Sehschwäche" von Rockmusik-Journalisten und Musikern, die den Begriff mit besonderem Blick auf (professionelle) Akteurinnen sexualisierend und marginalisierend geprägt haben. Weitere Diskursanalysen stellen heraus, welche spezifischen Deutungen und Kontextualisierungen sich in (Print-)Medien, Film und Wissenschaft seitdem ergeben haben. Der zweite Teil der Arbeit untersucht Aussagen und Selbstzeugnisse von Frauen, die den Begriff kritisiert oder für sich beansprucht haben. Unter anderem geben Interviews mit Akteurinnen der US-amerikanischen Rockmusikszene der 1960er-Jahre Aufschluss über die Entstehungsbedingungen der sogenannten „Groupie-Ausgabe“ des Rolling Stone Magazine (1969) und den Umgang mit misogyn angelegten Zuschreibungen. Ebenso werden literarische Texte wie Romane, Storys in Anthologien und andere verschriftlichte Erzählungen selbst bezeichneter Groupies ausgewertet. Hierbei wird das Ausblenden von lesbischwulen Erzählungen in der Musikgeschichte hinterfragt. Der dritte Teil der Dissertation verortet Äußerungen und Aktivitäten zu/von Groupies im Kontext von Promiskuität, sexueller Selbstbestimmung und nicht-normativer Geschlechterästhetik. Die Analysen liefern Impulse für eine künftige Erforschung von Bewertungsdiskursen über Frauen und Mädchen in der populären Musik und (literarischen) Selbstverortungen soziokultureller Akteur_innen an der Schnittstelle von Kultur, Literatur- und Medienwissenschaften, Popular Music Studies, Publikumsforschung und Feministischer Theorie.

Methodologisch kombiniert das Projekt Diskursanalysen, Leitfadeninterviews und literaturwissenschaftliche Auswertungsverfahren für Erzähltexte (u.a. Feministische Narratologie). Theoretische Pfeiler der Arbeit bilden die Stigma-Theorie Erving Goffmans, Birgit Rommelspachers Ansatz zur Gleichzeitigkeit von Dominanz und Diskriminierung bzw. ambivalenter Machtteilhabe sowie die Annahme eines gender belief systems nach Mary E. Kite und Kay Deaux, welches in der Arbeit als System eines impliziten geschlechtsspezifischen Wissens und ebensolcher Überzeugungen einbezogen wird. 

Das Promotionsprojekt betreuen: Prof. Dr. Gesa Mackenthun, Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Prof. Dr. Rolf Großmann

*

Groupies? (Self) Interpretations of Girls and Women in Rock Music since the 1960s

My dissertation examines the rise of the gender specific term groupie in the 1960s, its discursive constitution and effects for (especially) women and girls since then. A central question is: How, by whom or by what means does the power of the term emerge? A second consideration focuses on the extent to which female socio-cultural identity is undermined by concepts such as groupie or, on the other hand, fed by. 


The first part of the work discusses the term as a pejorative tool matching the gaze (and cultivated "debility of sight") of rock music journalists and musicians who established a sexualizing and potentially marginalizing perception of (professional) female agents in music. Analyses highlight the specific images and interpretations in (print) media, film and science following these early attributions. The second part of the work examines statements and testimonies of women who criticized the term or claimed it for themselves. Among other sources, interviews with female agents in the US rock music scene of the 1960s shed light on the conditions under which journalist articles on groupies came into being and how women deal with misogynously designed attributions. Literary texts such as novels, stories in anthologies and autobiographies of self-described groupies are also evaluated. Here, the fading out of lesbian-gay narratives in music history is questioned. 
The third part of the dissertation integrates statements and activities about/by groupies in the context of promiscuity, sexual self-determination and non-normative gender aesthetics. The analyses provide impulses for a future research of discourses on women and girls in popular music and (literary) self-positionings of socio-cultural actors at the interface of cultural, literary and media studies, as well as popular music studies, audience research and feminist theory.


Methodologically, the project combines discourse analyses, oral history and approaches from feminist narratology. The theoretical anchors of the work are Erving Goffman's stigma theory, Birgit Rommelspacher's approach to the simultaneity of dominance and discrimination or ambivalent power sharing, and the assumption of a gender belief system according to Mary E. Kite and Kay Deaux, which is understood as a system of implicit knowledge and convictions. 

Supervisors: Prof. Dr. Gesa Mackenthun, Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Prof. Dr. Rolf Großmann

Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

Populäre Kultur (v.a. Musik und Literatur), Macht/Dominanzkultur und (u.a.) Geschlechterverhältnisse

Publikums- und Rezeptionsforschung

Sexualisierung und Sexualität von Frauen im Diskurs

Staatsfeminismus, insb. Schwangerschaftsabbruch

Feministische Theorie, Bewegungen und Neue Medien

Technologiegeschichte(n) des 20. Jahrhunderts und weibliche Arbeitskraft

 

Werdegang

Werdegang

11/2018 - heute: Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Graduiertenkollegs „Deutungsmacht" an der Universität Rostock 

11/2018 - heute: Promotion am Institut für Anglistik/Amerikanistik der Universität Rostock im Fach Nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft, Gutachter_innen: Prof. Dr. Gesa Mackenthun, Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Prof. Dr. Rolf Großmann

10/2017 - heute: Lehrbeauftragte der Kulturwissenschaften, u.a. im Schwerpunkt "Musik und auditive Kultur" an der Universität Lüneburg

10/2016 - heute: Mitglied des Audioteams am Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien (ICAM), Leitung: Prof. Dr. Rolf Großmann, Universität Lüneburg

08/2016 - 12/2018: Projektassistenz im Forschungsprojekt „Transformation-Kultur-Geschlecht", Leitung: Dr. Steffi Hobuß, Universität Lüneburg

04/2017 - 06/2017: Forschungsaufenthalte in Tunesien und den USA

08/2015 - 08/2016: Koordinatorin des Brückenstudiums, Universität Lüneburg

2014 - 2016: Tätigkeit als Schlussredakteurin in Hamburg

2008 - 2014: Studium der Angewandten Kulturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaft und Culture, Arts & Media 

Publikationen

Publikationen

Alexi, K. (2019): "Natürlich nur ironisch und nur so nebenbei" - Teilzeit-Solidarität, Neosexismus und Humor im Indie, Punk und Rap. In: Mario Dunkel, Ralf von Appen (Hg.): (Dis-)Orienting Sounds - Machtkritische Perspektiven auf populäre Musik (Beiträge zur Popularmusikforschung). Bielefeld: transcript, S. 105-132

Alexi, K. (2019): Zeitgenössische Protestmusik und Geschlecht in Tunesien. Journalistische und wissenschaftliche Erzählungen. In: Steffi Hobuß/Moez Maataoui/Ina Khiari-Loch (Hg.): Tunesische Transformationen. Feminismus – Geschlechterverhältnisse – Kultur. Tunesisch-deutsche Perspektiven. Bielefeld: transcript, S. 249-276

Alexi, K. (2019), Hobuß, Steffi/Maataoui, Moez/ Khiari-Loch, Ina: Transformation-Kultur-Geschlecht. Eine Einleitung. In: Steffi Hobuß/Moez Maataoui/Ina Khiari-Loch (Hg.): Tunesische Transformationen. Feminismus – Geschlechterverhältnisse – Kultur. Tunesisch-deutsche Perspektiven. Bielefeld: transcript, 9-20

Alexi, K. (2014): Das Kreischen im Pop-Konzert. Zur Entstehung einer Rezeptionsform und Pathologisierung von Konzertbesucherinnen. In: SAMPLES (12), unter: www.gfpm-samples.de/Samples12/alexi.pdf

Alexi, K. (2012): „Haste mal 'n Merkblatt?“ Zur rechtlichen Situation der Straßenmusikerinnen und Straßenmusiker. In: MusikForum, 1/12, S. 39-41

Vorträge und Lehre (Auswahl)

Vorträge und Lehre (Auswahl)

Vorträge 

bevorstehend:

13.-15.2.2020 "Antifascist Sounds among Nazis and Cows – Independent Punk and Techno Festivals in Northeastern Germany as Embattled Urbanized(?) Thirdspace", 2nd International Urban Music Studies Conference "Groove The City - Constructing and Deconstructing Urban Spaces through Music", Universität Lüneburg

*

6.11.2019 "Nullen und Einsen? Medientheoretische und -praktische Verwerfungen geschlechterbinärer Technologiekultur(geschichte((n)) seit Sadie Plant", eingeladen, Tag der Lehre, Universität Lüneburg

25.9.2019 „'The Band Is with Me' – Retrospektiven von als Groupies gedeuteten Akteurinnen der US-amerikanischen Rockmusik", Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung, Fachgruppensymposium Musikethnologie und Vergleichende Musikwissenschaft "Musik und Erinnerung", Hochschule für Musik Detmold/Universität Paderborn

10.9.2019 "Informations- oder Werbeverbot? Deutungsmachtkonflikte zum Recht auf Schwangerschaftsabbruch am Beispiel der Verurteilung der Ärztin Kristina Hänel", Nachwuchsforum "Streitkulturen. Deutungsmachtkonflikte zwischen Konsens und Zerwürfnis" des GRK Deutungsmacht, Universität Rostock

11/2018: „Gegen Nationalismus und 'verdammte Huren' - Emanzipation und Frauenverachtung im deutschsprachigen Indiepoppunk", Arbeitstagung der Gesellschaft für Popularmusikforschung - „Des-Orientierungen populärer Musik", Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

09/2018: „State Feminisms – Tunisia and the GDR in Comparison“, mit Steffi Hobuß, 10th European Feminist Research Conference, Georg-August- Universität Göttingen

06/2018: „’Glam Rock Heroines’ – diskursive Leerstellen im queeren Erinnern“, Tagungsreihe „Queer Contradictions – Widerspruchsszenarien der diskursiven Position und Positionierung von Marginalität jenseits heteronormativer Lebensentwürfe“, Bremen-Turku-Warsaw-Stockholm Series on Studies in Discourse and Contradiction, Universität Bremen

10/2015: "'Groupie’ - Zur Entstehung eines Begriffs und seinen Folgen", The Fatal Frollein Feast, Alte Meierei Kiel

Lehre

SoSe 2019: „Nach dem Cyberfeminismus das Hashtag? Von Sadie Plant bis #metoo (und zurück)", Minor Kulturinformatik/Digitale Medien (B.A. 3 SWS), Universität Lüneburg, ausgezeichnet mit dem Lehrpreis für digital unterstütztes Lehren und Lernen 2019

WiSe 2018/19: „Staatsfeminismen in Tunesien und der DDR – Geschichte, Medien, Kritik“, Komplementärstudium (B.A. 2 SWS, Studierende aller Fachrichtungen), Universität Lüneburg

SoSe 2018: „’Rock’n’Roll mit Lippenstift’ – (Queere?) Ästhetiken und mediale Inszenierungen des Glam Rock“, Major Kulturwissenschaften (B.A. 2 SWS), Universität Lüneburg

Betreute Abschlussarbeiten (Auswahl)

Betreute Abschlussarbeiten (Auswahl)

Erstbetreuung

  • "Hallo Hoffnung statt No Future. Wandel und Inhalte aktueller Punkmusik in Deutschland" (2019), Autorin: Lena Dockhorn, B.A., Universität Lüneburg, geprüft mit: Robin Kuchar
  • "Die Keychange-Initiative als Werkzeug zum Erreichen von Chancengleichheit in der Musikindustrie? Beobachtungen und Analyse der Potenziale und Grenzen" (2019), Autorin: Ariane Mohr, geprüft mit: Hon. Prof. Dr. Alenka Barber-Kersovan
  • "Musik-Stars nach ihrem Tod. Eine Imageanalyse nach Silke Borgstedt am Beispiel von Amy Winehouse" (2019), Autorin: Hannah Siems, B.A., Universität Lüneburg, geprüft mit: Hon. Prof. Dr. Alenka Barber-Kersovan

Zweitbetreuung

  • "Nicht im Spotlight, nicht auf der Bühne – die Konstruktion des Habitus von Frauen in den technischen Berufen der Musikindustrie" (2019), Autorin: Annika Hachmeister, B.A., Universität Lüneburg, geprüft mit: Hon. Prof. Dr. Alenka Barber-Kersovan
  • „Feministische Theorie und Netzwerke von und für Künstler*innen in der Musikwirtschaft“ (2019), Autorin: Maria van Alst, B.A., Universität Lüneburg, geprüft mit: Prof. Dr. Michael Ahlers
  • "Perspektiven und Praktiken von Programmiererinnen in einer techno-meritokratischen Kultur" (2019), Autorin: Fee-Rose Stroschehn, B.A., Universität Lüneburg, Erstgutachterin: Prof. Dr. Paula Bialski
Mitgliedschaften

Mitgliedschaften