Dawid Mohr

Wissenschaftlicher Mitarbeiter/Kollegiat
DFG-Graduiertenkolleg „Deutungsmacht“
Universität Rostock
Universitätsplatz 5
D-18055 Rostock
Tel.: +49 (0)381-498-8461
E-Mail: dawid.mohruni-rostockde

 

 

 

Deutungsmachtkonflikte um politische Mythen in der Dritten Polnischen Republik

Unter der Regierung der rechtspopulistischen Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS) dominieren politische Mythen in besonderem Maße die polnische Öffentlichkeit. Für sie ist die Arbeit am politischen Mythos von Relevanz, weil sie dadurch ihre Deutungen der jeweiligen Mythosnarrationen öffentlichkeitswirksam inszenieren kann. Auf diese Weise wird die durch politische Mythen performierte kollektive Erinnerung von der PiS als Gegenerinnerung konstituiert, die jeglicher anderer Erinnerung entgegengesetzt wird, welche es seit der Transformation Polens zu einer parlamentarischen Demokratie gibt. Bei dieser Auseinandersetzung, deren Akteure einerseits die PiS-Regierung, andererseits die parlamentarische sowie außerparlamentarische Opposition sind, handelt es sich um einen Deutungsmachtkonflikt. In seinem Zentrum steht die Frage nach der nationalen Identität und der gesellschaftlich-politischen Ordnung, da politische Mythen als essentielle Legitimationsgrundlagen von Kollektividentitäten und einer daraus folgenden staatlichen Konstitution fungieren.

Die Dissertation zielt darauf ab, den polnischen Diskurs um politische Mythen sowie deren Konstruktion zu analysieren und ihre Deutungsmacht offenzulegen. Hierfür dienen politische Wochenzeitschriften als Untersuchungsobjekte der Diskursanalyse, um herauszufinden, welche Deutungsangebote der politischen Mythen sich durchsetzen. Dabei werden politische Mythen als belief systems operationalisiert, um so die durch sie vermittelten beliefs, das heißt, Identitäts- und Ordnungsvorstellungen, Ideologien et cetera zu rekonstruieren. Mit Hilfe der Analyse der beliefs ist es zum einen möglich, darzulegen, für welche politischen Interessen die Mythen instrumentalisiert werden. Zum anderen wird damit auch der Frage nachgegangen, inwieweit der polnische Nationalmythos als narrative (Deutungs-)Folie für die politischen Mythen, an denen gegenwärtig gearbeitet wird, wirkmächtig ist.

Forschungsinteressen

Forschungsinteressen

  • Kollektive Identitäten
  • Erinnerungspolitik
  • Politische Mythen
  • Politik und Gesellschaft in Polen
Werdegang

Werdegang

seit 2017

  • Promotion im Fach Politikwissenschaft an der Universität Rostock
  • Thema: Deutungsmachtkonflikte um politische Mythen in der Dritten Polnischen Republik

2015 - 2017

  • Studium der Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Area Studies (Master) an der Universität Rostock
  • Sommersemester 2016: Forschungsaufenthalt an der Universität Szczecin

2011 - 2015

  • Studium der Politikwissenschaft und Geschichte (Bachelor) an der Universität Rostock
Anstellungen

Anstellungen

seit 2017

  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg „Deutungsmacht. Religion und belief systems in Deutungsmachtkonflikten“, Betreuung: Prof. Dr. Yves Bizeul, Prof. Dr. Stephanie Wodianka, Universität Rostock

2016 - 2017

  • Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte, Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften, Universität Rostock

 

Publikationen

Publikationen

Aufsätze in Sammelbänden

  • Mohr, Dawid; Thielicke, Valerian (2019 i.E.): Warum überhaupt von kultureller Identität sprechen? – Ein politischer Kampfbegriff in Polen und Tunesien. In: Bizeul, Yves; Rudolf, Dennis Bastian (Hrsg.): Gibt es eine kulturelle Identität?. Baden-Baden: Nomos.
  • Mohr, Dawid (2019): Guter Migrant, böser Migrant? Kulturessenzialistische und rassistische Tendenzen im polnischen Migrationsdiskurs seit 2015. In: Bizeul, Yves; Rudolf, Dennis Bastian (Hrsg.): Politische Debatten um Migration und Integration. Konzepte und Fallbeispiele. Wiesbaden: Springer VS, S. 161–187.
  • Mohr, Dawid (2019): Konformistische Revolte und Rechtspopulismus als identitätsschließende Momente: Die polnische Regierungspartei Prawo i Sprawiedliwość. In: Bizeul, Yves; Lutz-Auras, Ludmila; Rohgalf, Jan (Hrsg.): Offene oder geschlossene Kollektividentität. Von der Entstehung einer neuen politischen Konfliktlinie. Wiesbaden: Springer VS, S. 301–326. 
Vorträge und Tagungen

Vorträge und Tagungen

11.09.2019

  • „Feindbilder und Streitkultur: Konflikte um kollektive Identitäten“, Seminar (gemeinsam mit Valerian Thielicke) auf dem Nachwuchsforum „Streitkulturen. Deutungsmachtkonflikte zwischen Konsens und Zerwürfnis“ des DFG-Graduiertenkollegs „Deutungsmacht. Religion und belief-systems in Deutungsmachtkonflikten“, Universität Rostock. 

14.07.2018

  • „Warum überhaupt von kultureller Identität sprechen? – Ein politischer Kampfbegriff in Polen und Tunesien“, Vortrag (gemeinsam mit Valerian Thielicke) auf der Jahrestagung „Gibt es eine kulturelle Identität?“ des Arbeitskreises „Politik und Kultur“ der DVPW, Universität Rostock.

20.05.2017

  • „Deutungsmachtkonflikte und politische Mythen in der Dritten Polnischen Republik“, Vorstellung des Dissertationsprojekts beim Workshop für Nachwuchswissenschaftler auf der Tagung „Émigration et mythe: l'héritage culturel de l'espace germanique dans l'exil à l'époque du national-socialisme (1933-1945) / Emigration und Mythos: der Umgang mit dem kulturellen Erbe des deutschsprachigen Raums im Exil (1933-1945)“, Université Paul-Valéry Montpellier 3.