Dennis Bastian Rudolf

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Analyse und Vergleich von Deutungsmachtkonflikten politischer Mythen in demokratischen und autoritären Regimen

Die Welt des Menschen bedarf der Deutung. Erst in diesem Prozess entfaltet sie sich und erlangt gewisse Strukturen, welche für den Begriff einer solchen „Welt des Menschen“ konstitutiv sind. Diese Einsicht gilt in gleichem Maße auch für die politische Welt und rückt jene Strukturen in das Forschungsinteresse, die mit der Stabilität politischer Systeme in Verbindung stehen. Mit Blick auf die dominierenden Theorien der Demokratie- und Autokratieforschung wird jedoch deutlich, dass institutionelle, ökonomische und partizipative Legitimationsstrategien und deren Mechanismen nur ein Teil des Puzzles zur Erklärung politscher Systemstabilität sein können. Einen plausiblen kulturalistischen Ansatzpunkt, der die bisherigen Forschungszweige zu ergänzen vermag, findet sich in der Analyse politischer Mythen. Sie stellen Deutungsangebote symbolischer Politik dar, welche Auskunft über historische Sachverhalte geben, die in der Gegenwart einen konstitutiven Bezug zur Existenz einer politischen Ära und eines politischen Raums entwickelt haben. Sie enthalten Aussagen über die politische Gemeinschaft, die Komponenten der politischen Ordnung sowie die politischen Herrschaftsträger und erfüllen in diesem Zusammenhang sowohl sinn- und identitäts- als auch legitimationsstiftende Funktionen. Um die These zu belegen, dass politische Mythen in demokratischen und autoritären Regimen bedeutende Einflussfaktoren für deren Stabilität bzw. Instabilität darstellen, sieht der theoretische Teil des Dissertationsprojekts zunächst die Erarbeitung eines systematischen Analysekonzepts vor. Dieses soll sowohl die Deutungsmachtkonstellationen und -prozesse politischer Mythen als auch deren konkrete Inhalte berücksichtigen. Mit Hilfe dieses Konzepts sollen in einem sich anschließenden empirischen Teil ausgewählte Fallbeispiele (Deutschland, USA, Venezuela, Ecuador) untersucht werden, um vergleichende Aussagen über die Funktionsweisen und Mechanismen politischer Mythen sowie deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten in demokratischen und autoritären Regimen zu erarbeiten.